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 Motiv: © Martin Capek - Fotolia.com

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Kennzahl: 17.11158
19.02.2015

Netzausbau: Achillesferse der Energiewende

Thema der Woche


Die Stromerzeugung in Deutschland soll 2050 zu 80 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dieses politische Ziel darf nicht zulasten der Versorgungssicherheit und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen gehen. Für die Zukunft besteht deshalb die Herausforderung darin, den aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugten Strom zu möglichst geringen Kosten in das Stromsystem zu integrieren. Netzengpässe stellen dafür die größte Hürde dar. Der als notwendig festgestellte Ausbau- und Verstärkungsbedarf im Übertragungsnetz – also in den "Stromautobahnen" – beträgt rund 8.000 km. Die Umsetzung geht nur schleppend voran und droht zur Achillesferse der Energiewende zu werden.

Erzeugung und Nachfrage fallen auseinander

Die Windkraft ist der günstigste Strom aus erneuerbaren Energien. Der Schwerpunkt des künftigen Ausbaus wird weiter in Nord- und Ostdeutschland liegen, wo die ertragsreichsten Standorte sind. Gleichzeitig entfallen mit der Abschaltung der Atomkraftwerke bis 2022 vor allem in Süddeutschland umfangreiche Erzeugungskapazitäten, die es zu kompensieren gilt. Dies führt zu einer zunehmenden regionalen Trennung von Erzeugung und Nachfrage: Der im Norden produzierte Strom muss über weite Strecken bis in die Verbrauchszentren im Süden transportiert werden. Dies funktioniert nur, wenn die Übertragungsnetze ausgebaut werden.

Netze für einen effizienten Kraftwerkseinsatz

Der Strommarkt sorgt dafür, dass die Anlagen zur Stromerzeugung möglichst effizient und damit kostengünstig eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass innerhalb des Marktgebietes keine wesentlichen Netzengpässe bestehen. Kommt es – wie bereits jetzt zwischen Nord- und Süddeutschland – doch zu Engpässen, müssen die Übertragungsnetzbetreiber eingreifen. Auf der einen Seite des Netzengpasses wird die Erzeugung gedrosselt und auf der anderen Seite erhöht. Dieser Eingriff – genannt Redispatch – erfolgt immer häufiger und führt zu hohen Kosten für Verbraucher. Sollten die bestehenden Engpässe nicht bald behoben werden, droht eine Aufspaltung der bisher einheitlichen Preiszone in Deutschland. Folge wäre ein Anstieg der Strompreise in Süddeutschland. Das geplante Ausbautempo der Erneuerbaren in Norddeutschland müsste als Folge reduziert werden, die EEG-Umlage würde noch weiter steigen.

Chance: Europäischer Binnenmarkt
Die Aufspaltung in Preiszonen wäre nicht nur ein Problem innerhalb Deutschlands, sondern stünde auch dem Ziel eines europäischen Binnenmarktes für Strom entgegen. Für dessen Realisierung braucht es sowohl den Netzausbau zwischen den Ländern der Europäischen Union als auch innerhalb Deutschlands als wichtigem Stromtransitland. Die Europäische Kommission schätzt den Kostenvorteil eines gemeinsamen Strommarktes auf 16 bis 40 Milliarden Euro pro Jahr – davon profitieren alle EU-Stromkunden.

Keine Energiewende ohne Netzausbau
Im Schnitt haben die Verbraucher in Deutschland derzeit pro Jahr rund 15 Minuten lang keinen Strom – nirgendwo in der EU gibt es weniger Ausfälle. Das muss aus Sicht der Unternehmen auch so bleiben. Die hohen Kosten der Energiewende sind für die Unternehmen schon heute eine schwere Belastung im internationalen Wettbewerb. Der Netzausbau ist die günstigste Option, den weiteren Ausbau der Erneuerbaren zu ermöglichen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Daher gilt es, die notwendigen und gesetzlich verankerten Netzausbaumaßnahmen zügig in die Tat umzusetzen.

Ansprechpartner: Jakob Flechtner, DIHK Berlin, Telefon 030 20308-2204