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Aktuelles


Gründung von Hightech-Unternehmen

Chance für Deutschland

von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Franz, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH
 
Hightech-Gründungen spielen in modernen, wissensbasierten Volkswirtschaften wie Deutschland eine wichtige Rolle. Sie stellen ein Medium dar, durch das neues Wissen, das an Universitäten und öffentlichen Forschungseinrichtungen entsteht, in neue Produkte und Produktionsverfahren umgesetzt wird. Hightech-Gründungen schaffen auch selber neues Wissen und entwickeln neue Produkte und Verfahren, sind mithin ein wichtiges Element für Innovation.

Angesichts der großen Bedeutung von Hightech-Gründungen ist ein Blick auf das Gründungsgeschehens allerdings ernüchternd. Denn die Anzahl von Hightech-Gründungen ist in Deutschland eher von untergeordneter Bedeutung: Im Jahr 2006 wurden im Hightech-Sektor rund 17.700 Unternehmen neu gegründet. Das waren nur sieben Prozent aller Neugründungen. Zudem ging in den letzten zehn Jahren die Zahl der Gründungen im Hightech-Bereich deutlich zurück. Erst durch den erzeitigen konjunkturellen Aufschwung ist die Zahl wieder angestiegen. Ob der Anstieg nur vorübergehend oder dauerhaft ist, bleibt aber abzuwarten.
 
Hightech-Gründungen besitzen besondere Charakteristika

Ein wesentliches Merkmal dieser Gründungen ist das überdurchschnittlich hohe Humankapital der Gründer. Gemäß den Ergebnissen einer ZEW-Befragung von jungen Hightech-Unternehmen besitzen etwa zwei Drittel der Gründer einen Hochschulabschluss. Die meisten haben ein technisches oder ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert oder einen technischen Beruf erlernt. Über kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen nur wenige. Eine Möglichkeit, unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen in einem Unternehmen zu bündeln, besteht darin, ein Unternehmen im Team mit mehreren anderen Personen zu gründen. In der Tat wird über die Hälfte der Hightech-Unternehmen von einem Team gegründet. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass sich in den Gründerteams zumeist Personen mit ähnlichen Kenntnissen und Erfahrungen zusammenschließen. Die „klassische“ Vorstellung, dass ein Ingenieur zusammen mit einem Kaufmann ein Unternehmen gründet, ist in der Praxis verhältnismäßig selten zu beobachten. Nichtsdestotrotz konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass Teamgründungen eine bessere Performance erzielen als Unternehmen, die nur von einer Person gegründet wurden.

Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für Hightech-Gründungen ist ihre Ausrichtung auf Innovations und FuE-Tätigkeiten. Aufgrund des technologischen Wandels und der Marktdynamik gerade in forschungsintensiven Wirtschaftszweigen veraltet das vorhandene technische Wissen rasch. Knapp die Hälfte der neu gegründeten Hightech-Unternehmen führt Forschungs und Entwicklungsprojekte durch. Der Anteil der FuE-Ausgaben am Umsatz beträgt durchschnittlich 22 Prozent und ist damit deutlich als in anderen Branchen. Dieser vergleichsweise hohe Wert erklärt sich jedoch unter anderem dadurch, dass die Unternehmen in den ersten Jahren nach der Gründung nur sehr geringe Umsätze erzielen, da sie sich noch in der Phase der Produktentwicklung befinden. Es bleibt dennoch festzuhalten, dass immerhin die Hälfte der Neugründungen keine eigenen FuE-Projekte durchführt. Unternehmen können ihr Wissen indes dadurch erneuern, indem sie Techniken von anderen Unternehmen kaufen oder indem sie FuE-Aufträge extern vergeben.

Neugründungen besetzen Marktnischen

Für neu gegründete technologieorientierte Unternehmen ist es tendenziell schwierig, bereits existierende, standardisierte Produkte billiger anzubieten als etablierte Unternehmen. Sie besetzen daher oft Marktnischen, die für Großunternehmen nicht interessant sind. Allerdings ergibt daraus das Problem, dass das heimische Marktpotenzial begrenzt ist. Die Mehrheit der jungen Hightech-Unternehmen expandiert deshalb frühzeitig auf den Auslandsmarkt. Etwa ein Viertel von ihnen weist schon im Gründungsjahr Exporte auf.

Zwei Gruppen von technologieorientierten Gründungen stehen im Mittelpunkt des Interesses. Dies sind zum einen „Spinoff“-Gründungen aus der öffentlichen Forschung. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, bei denen die Nutzung von Verfahren oder Methoden aus der öffentlichen Forschung, an deren Erarbeitung zumindest einer der Gründer selbst mitgewirkt hat, oder die Nutzung von besonderen Fähigkeiten, die sich der Gründer im Rahmen seiner Tätigkeit in der Wissenschaft oder im Rahmen seines Studiums angeeignet hat, unverzichtbar für die Gründung waren. Im Vergleich zu anderen Hightech-Gründungen führen Spinoff-Gründungen häufiger FuE-Aktivitäten aus und nutzen häufiger Patente.

Die zweite Gruppe sind schnell wachsende Unternehmen. Von ihnen wird insbesondere die Schaffung neuer Arbeitsplätze erwartet. Fünf Prozent von ihnen haben die Anzahl der Beschäftigten jedes Jahr mindestens verdoppelt. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass schnelles Wachstum ein vorübergehendes Phänomen ist.

Gründer setzen vor allem eigenes Kapital ein

Hightech-Gründungen sind in ihren ersten Lebensjahren mit zahlreichen Hemmnissen konfrontiert. Das für sie wichtigste ist der Mangel an Finanzierungsquellen. So ist es schwierig, Kreditgeber zu gewinnen. Nur rund 20 Prozent der Hightech-Gründungen können auf einen Bankkredit zurückgreifen. Beteiligungskapital etwa von Privatinvestoren oder Venture-Capital-Gesellschaften nutzen nur rund fünf Prozent der jungen Hightech-Unternehmen. Die beiden wichtigsten Finanzierungsquellen sind daher Eigenmittel und Cashflow-Finanzierung. Zudem sind Genehmigungsverfahren, fehlende Vertriebskanäle sowie der Mangel an qualifiziertem Personal die am häufigsten genannten Hemmnisfaktoren, aber auch der Mangel an kaufmännischen Kenntnissen.

Welchen Faktoren messen die Unternehmen große Bedeutung für ihren bisherigen Erfolg bei? An erster Stelle steht hier die Kundenbindung. Und da ihr Erfolg entscheidend von der technologischen Leistungsfähigkeit ihrer Produkte abhängt, deren Entwicklung und Herstellung fundiertes Wissen voraussetzt, ist die Qualität der Mitarbeiter der zweitwichtigste Erfolgsfaktor.



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