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 Motiv: © Coloures-Pic - Fotolia.com

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Demografischer Wandel: Das Saarland bleibt weiter stark von einer sinkenden und alternden Bevölkerung betroffen

Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für das Saarland


Der Demografische Wandel stellt eine der größten Herausforderungen für viele Industrienationen dar und wird nicht zuletzt wegen seiner mannigfaltigen Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialstaat auch in Deutschland seit langem diskutiert. Um einen hinreichenden Grad an Planungssicherheit für viele damit einhergehenden Fragestellungen zu erhalten, werden von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder in regelmäßigen Abständen demografische Modellrechnungen vorgenommen. Betrachtet man die Ergebnisse der aktuellen 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, wird die für das Saarland bisher prognostizierte Entwicklung mit einem im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich stärkeren Bevölkerungsrückgang erneut bestätigt.

In der vom Statistischen Amt des Saarlandes herausgegebenen regionalisierten Variante für das Saarland wurden spezifische historische Daten und Trends der hiesigen Bevölkerungsentwicklung und -struktur zu einem Modell zusammengefasst, um eine Vorausberechnung bis zum Jahr 2060 erstellen zu können. Grundlegende Annahmen sind dabei unter anderem eine Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau, eine weiterhin zunehmende Lebenserwartung sowie eine abnehmende Binnenwanderung zwischen dem Saarland und den übrigen Regionen der Bundesrepublik. Da der Zuwanderungsstrom aus dem Ausland generell nur schwer abschätzbar ist, kamen in der Modellrechnung zwei Varianten zum Ansatz: Die Hauptvariante (Variante 1) bildet die Auswirkungen einer schwächeren Außenzuwanderung von netto 1.100 Personen pro Jahr ab. Bei der zweiten Variante wird von einer stärkeren Zuwanderung mit einem Plus von 2.100 Personen pro Jahr ausgegangen. Der überdurchschnittlich ausgefallene Zustrom in 2015 wird als vorerst einmaliges Ereignis betrachtet.

Verglichen mit den Ergebnissen aus dem Bund und den beiden, für das Saarland wirtschaftlich wichtigen Nachbarregionen Lothringen und Luxemburg, ist der Bevölkerungsrückgang nirgendwo so ausgeprägt, wie hierzulande. Lag die saarländische Bevölkerung 2013 noch bei 990.000 Einwohnern, wird sie in der Hauptvariante bis 2030 um fast zehn Prozent auf unter 900.000 Personen sinken. Bis 2060 wird der Bevölkerungsrückgang sogar gut 30 Prozent betragen. Bei Betrachtung der Variante 2 ist feststellbar, dass selbst die Annahme einer verstärkten Außenzuwanderung den Bevölkerungsverlust allenfalls etwas mindern (bis 2060 ergibt sich ein Verlust von 25 Prozent), letztlich aber nicht aufhalten kann.

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Hintergrund dieser Entwicklung ist eine spezifische Ausprägung der sogenannten natürlichen Bevölkerungsentwicklung: Im Saarland gibt es in dem betrachteten Modellzeitraum fast doppelt so viele Sterbefälle wie Geburten, so dass die natürliche Bevölkerungsentwicklung hierzulande besonders ungünstig ausfällt. Unter Berücksichtigung der weiterhin steigenden Lebenserwartung ist dieser Effekt jedoch nicht auf überproportional steigende Todesfälle zurückzuführen, sondern auf eine zu geringe Geburtenzahl. Die 1,3 Kinder, die eine Saarländerin im Schnitt zur Welt bringt, liegen unter dem ohnehin schon sehr geringen Bundesdurchschnitt von 1,5 Kindern je Frau. Dieser niedrige Wert beeinflusst den Verlauf der Bevölkerungsentwicklung signifikant.

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Von besonderem Interesse für die Wirtschaft und die Sozialversicherungssysteme ist die Entwicklung der potenziellen Erwerbsbevölkerung (20 bis unter 65 Jahre). Mit Blick auf die Alterspyramide wird dabei schnell klar, dass die Folgen des Demografischen Wandels nicht mehr lange auf sich warten lassen werden. Die ersten Jahrgänge der sogenannten Baby-Boomer-Generation haben inzwischen das Renteneintrittsalter erreicht und gehören der Erwerbsbevölkerung schon nicht mehr an. Heute bereits machen die Rentner im Saarland 23 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die Tendenz der Renteneintritte bleibt für die nächsten 15 Jahre weiter steigend, bis es 2030 rund 32 Prozent und 2060 (nach vorübergehend sinkenden Werten) fast 35 Prozent der Gesamtbevölkerung sind. Währenddessen sinkt die Zahl der unter-20-Jährigen zwar absolut, bleibt jedoch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung relativ konstant und wird sich längerfristig bei ca. 15 Prozent einpendeln – unabhängig von der unterstellten Zuwanderung.
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Die Auswirkungen dieser Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur auf unsere umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme sind erheblich. Mussten 2013 noch zehn Erwerbsfähige für das Auskommen von rund 3,5 Rentnern sorgen, stehen dafür 2060 (in der Hauptvariante) nur noch gut fünf Personen zur Verfügung.

Insgesamt betrachtet wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter abnehmen. Schon 2030 um mehr als 20 Prozent und um fast 43 Prozent bis 2060. Dies lässt bereits erahnen, dass die Zahl derer, die zukünftig das steigende Rentenaufkommen erwirtschaften müssen, deutlich niedriger ausfallen dürfte als heute. Zudem muss die Tatsache berücksichtigt werden, dass längst nicht alle Menschen in diesem Alterssegment auch tatsächlich erwerbstätig sind. Und obwohl die meisten der aus dem Ausland zuwandernden Personen zur Altersgruppe der Erwerbsbevölkerung gehören, weicht die Entwicklung unter der Annahme einer starken Zuwanderung (Variante 2) nicht wesentlich von den vorherigen Ergebnissen ab. Qualifikationsunterschiede sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.
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Mit einem größeren Anteil an älteren Menschen rücken aber auch deren Bedürfnisse stärker in den Mittelpunkt. Zum einen entsteht eine verstärkte Nachfrage an spezifischen Gütern und Dienstleistungen, die vorzugsweise von lokalen Unternehmen befriedigt werden könnte. Zum anderen muss die Politik die sich abzeichnende Entwicklung stärker in der Stadtplanung und Infrastrukturentwicklung berücksichtigen, da z. B. einerseits künftig weniger junge Paare mit Kindern als Nachfrager für den Bau von Wohnungen auftreten werden und andererseits besonders ältere Menschen auf kurze Wege und öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Das Altern der saarländischen Bevölkerung stellt ebenso wie der absolute Bevölkerungsrückgang einen nachhaltigen Trend dar, der enorme Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringt. Aus Sicht der IHK ist eine wesentliche Frage für den Wirtschaftsstandort: Wie lässt sich der damit einhergehende Fachkräftemangel, der teilweise heute schon in einigen Branchen deutlich spürbar ist, erfolgreich bewältigen? Ansatzpunkte zur Bewältigung dieser Herausforderung finden sich in der bereits 2011 gemeinsam mit der Landesregierung vorgestellten Strategie für Fachkräftesicherung mit acht Handlungsfeldern, die 2015 zum Zukunftsbündnis Fachkräfte Saar weiter entwickelt wurde.



Ihr Anliegen ist unser Auftrag

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